Drachenboot Club-Europameisterschaften in Szeged/Ungarn

Kampf gegen Gegner und die Hitze erfolgreich bestanden

Auch wenn in der Vorbereitung auf diese Europameisterschaft immer davon berichtet wurde, dass es im Juli in Szeged, welches 180 km südlich von Budapest liegt, sehr heiß sein kann, hatte trotzdem keiner damit gerechnet, dass es so warm sein würde. Nur der während aller Wettkampftage vorherrschende Wind konnte die Temperaturen bis an die 40 Grad halbwegs erträglich machen. So hatten die verschiedenen Mannschaften des Master-Teams der DRAG ATTACK von Anfang an nicht nur mit den Gegnern sondern auch mit den klimatischen Bedingungen zu kämpfen. Die größeren Probleme bereitete zuerst einmal die Übermacht der dort anwesenden Mannschaften aus Ungarn. Das Ausrichterland, das ja zu einer der führenden Kanu-Nationen seit Jahrzehnten gehört, nahm gerade in den Master-Klassen alle pro Nation zur Verfügung stehenden Startplätze wahr und war konstant mit fünf Teams in den einzelnen Wettbewerben vertreten.

Die Drag Attack Mannschaft in Szeged
Die Drag Attack Mannschaft in Szeged

Am Donnerstag starteten dann die Wettkämpfe für die Wuppertaler früh morgens direkt mit einem sehr starken Vorlauf bei den Mixed-Mannschaften im Small- Boot. Leider kam mit diesem Rennen dann auch sofort schon das Vorlauf-Aus über die 200 Meter Strecke, da das Team den Start komplett verpennt hatte. Wie auf den meisten modernen Regattastrecken wurde auch in Szeged mittels eines nach unten wegklappenden Startschuhs das Boot ausgerichtet. Hier war dieser aber aus Plexiglas und somit für den Steuermann kaum zu erkennen. So war das Team nach mitten in der Ausrichtung des Bootes, als der Startschuss fiel. Bei einer Fahrzeit von knapp 54 Sekunden war der dadurch entstandene Rückstand nicht mehr herauszuholen und das Team schied direkt im Vorlauf aus. Dieser Schock traf die Mannschaft dann doch recht unvorbereitet, denn auch wenn man wusste, dass man auf sehr starke Gegner treffen würde, wollte man doch nicht auf Grund einer Unachtsamkeit in der Startphase aus dem Wettbewerb ausscheiden. So hieß es für die Mannschafsführung rund um den Trainer die Mannschaft aufzubauen und auf die noch am gleichen Tag anstehenden 200 Meter-Wettbewerbe in der Damen- und Herrenklasse einzustellen.

Und hier zeigte sich dann wieder die ganze Stärke der seit Jahren eingespielten Damen-Mannschaft. Sie setzten sich direkt nach dem Start mit einem ungarischen Boote von den anderen Startern ab und konnte hier einen hervorragenden 2. Platz erkämpfen. Besonders erfreulich wurde am Abend dann noch registriert, dass die erpaddelte Zeit der Graureiher-Damen schneller war als die der am gleichen Tag noch an dem Start gegangene Master Damen der deutschen Nationalmannschaft.

Am 2. Tag der Wettkämpfe wurde dann im Standard-Boot gestartet. Hier war es aber auf Grund der geringen Meldungen nur zu Wettbewerben in der Mixed- Klasse sowie bei den Herren gekommen. Da aber nur zehn Wuppertaler Herren mit nach Szeged gereist waren musste man das große Mixedboot mit zehn Damen und zehn Herren bestreiten. Normalerweise sind diese Mixedboot mit zwölf Herren und acht Damen besetzt. Mit dieser nicht optimalen Besetzung gelang der Mannschaft von Beyenburger Stausee eine 9. Platz über die 200 Meter, im anschließenden Langstreckenrennen über 2.000 Meter konnte sogar einen 6. Platz erreicht werden. Das ebenfalls am 2. Nachmittag durchgeführte Rennen im Small-Boot der Mixed- Klasse über die lange Distanz beendete die Mannschaft aus sechs Herren und vier Damen ebenfalls mit einen 6. Platz.

Standard-Mixedboot
Konzentration im Standard-Mixedboot vor dem Rennen

Der 3. Tag sollte dann der große Tag des Damen-Teams über die 500 Meter werden. Bedingt durch die nicht ausreichenden Meldungen bei den großen Booten hatten sich die Damen auf das nicht so beliebte Kleinboot konzentriert. Äußerst konzentriert ging es dann am frühen Nachmittag in den Endlauf. Die Aufforderung des Trainers, dass man der Gastfreundschaft gegenüber den Ungarn mit deren Sieg über die 200 Meter Distanz genüge getan habe, hatten sie scheinbar noch mehr angespornt und schon kurz nach dem Start übernahmen sie eine hauchdünne Führung. Das sich am Ende des Starterfelde bei einer ungarischen Mannschaft ein kleines Drama abspielte, da deren Steuermann auf Grund einer Unachtsamkeit aus dem Boot gestürzt war und sich mitzeihen ließ, um wieder einzusteigen, bekamen die Damen überhaupt nicht mit. Wie im Vorfeld zigmal geprobt, wurde dann bei der Hälfte der Distanz einen Zwischenspurt eingelegt, welche der Vorsprung soweit ausbaute, dass man die letzten Meter vor der Ziellinie schon etwas entspannt durchpaddeln konnte. Somit heisst der alte wie auch der neue Europameister bei den Master Damen über die 500 Meter Distanz auf dem Namen DRAG ATTACK Wuppertal.

Siegerehrung für das 10er Damenboot
Siegerehrung für das 10er Damenboot

Bei dem am gleichen Tag auch ausgetragenen Wettkämpfen der Mixed-Boote über die Streckenlänge von 500 Meter kam es im Halbfinale zu einer inoffiziellen Deutschen Meisterschaft, denn neben zwei ungarischen Mannschaften waren dort alle vier deutschen Teams vertreten. Leider konnte sich hier dann nur das Team der Preussen Drachen aus Potsdam durchsetzten und die Wuppertaler Mannschaft schied mit einem 5. Platz dort aus. Auch die Herren konnten sich bis ins Halbfinale durchkämpfen, mussten aber dort der Doppelbelastungen aus Mixed- und Herrenboot Tribut zollen und schieden als Viertplatzierter aus dem Wettbewerb aus.

10er Mixed Boot
Das 10er Mixed Boot der Drag Attack-Mannschaft

Der letzte Wettkampftag sollte dann noch mal ein besonderer Sonntag werden. Einmal weil das Thermometer noch höher klettern sollte und zum andern, weil es für die beiden Small-Boote bei den Damen und Herren noch einmal auf die 2.000 Meter strecke gehen sollte. Diese Rennen leben immer nach einem eigenen Gesetz, den bei einem Verfolgungsrennen können in den Wenden und auch bei den Überholmanöver immer Situationen entstehen, welche man auch als nominell schwächere Mannschaft nutzen kann, um eine gute Platzierung zu erreichen.

Los ging es mit den Damen in der größten Hitze um die Mittagszeit. In der Mannschaft war eine gewisse Anspannung zu spüren, denn neben der eigenen Erwartung kam dann auch noch Bedenken auf, denn auf einmal war ein polnisches Damenteam am Start, welches in keinem der vorherigen Tage gesichtet worden ist. Und genau diese Befürchtungen bewahrheiteten sich, das Team aus Warschau war das am besten Erholteste und hatte zudem noch das Glück vor allen anderen Mannschaften im ruhigen Wasser starten zu können. Mit einer großen kämpferischen Leistung sicherten sich die Damen vom Beyenburger Stausee den 3. Platz. Mit dieser Bronzemedaille hatten sie dann ihr komplettes Set bei diesen Europameisterschaften errungen. Bei den Herren ging es dann kaum eine Stunde später noch einmal richtig hoch her, da sie mit insgesamt drei anderen Mannschaften zusammen in die letzte Wende gingen. Bei so einer Ansammlung von immerhin knapp zehn Meter langen Booten wird es selbst in einer Wende mit einem Radius von 30 Meter eng und das ein oder andere Scharmützel mit dem Gegner wird da schon einmal ausgetragen. So erhielt das Wuppertaler Boot kurz vor dem Wendenausgang einen heftigen Stoß gegen das Heck, so dass sich der ein oder andere Paddler schon im Wasser liegen sah. Da wurden bei den Sportlern, welche bei der letzten Europameisterschaft In Auronzo di Cadore mit dabei waren, heftige Erinnerungen wach. Immerhin war man dort auch durch eine unverschuldete Karambolage so voll Wasser gelaufen, dass man das Rennen aufgeben musste und sich nur mühsam ans Ufer retten konnte.

So endeten diese Europameisterschaften mit einem kompletten Medaillen-Satz für die Mannschaften des VfK Wuppertal und lassen hoffen, dass es bei den im September anstehenden Club-Weltmeisterschaften auch zu der ein oder anderen Medaille kommen wird.

(c) 2013 VFK Wuppertal e.V.